Aloha bedeutet: im Sturm gelassen bleiben – auch im digitalen Ozean.
Aloha, liebe JOMILO-Ohana!
Wisst ihr, wenn ich über Medienkompetenz spreche, denken viele: „Ach, jetzt kommt wieder was über Bildschirmzeit und Kontrolle.“ Aber ehrlich? Darum geht’s mir gar nicht. Für mich ist das wie beim Surfen – es geht nicht darum, die perfekte Welle zu finden oder das Meer zu kontrollieren. Es geht darum, mit den Wellen zu tanzen und im Gleichgewicht zu bleiben.
Ich bin Mama von zwei kleinen Wirbelwinden – aktuell 9,24 und 5,98 Jahre alt. Unsere Tage sind ein buntes Chaos aus Lachen, Tränen, verschütteten Saft und spontane Tanzpartys in der Küche. Zwischen Terminen, Wutanfällen und diesen magischen Momenten, in denen alles perfekt ist, balanciere ich – wie wir alle – auf diesem schmalen Brett zwischen „Ich hab’s voll im Griff“ und „Hilfe, ich ertrinke hier gerade!“
Und mittendrin kommt dann noch diese riesige Welle: die digitale Welt.
Smartphones, Tablets, Streamingdienste – sie sind längst Teil unseres Familienmeers geworden, mal nützlich, mal fordernd, oft beides zugleich. Diese Welle ist da – und sie wird nicht mehr weggehen. Also können wir entweder gegen sie ankämpfen oder lernen, auf ihr zu reiten.
Zwischen Muscheln, WLAN und Wellen
Früher war Kindheit oft ein Sandstrand voller Muscheln, Stöcke und Fantasie. Heute ist es eher eine Bucht, in der neben Schaufel und Förmchen auch ein Tablet oder Handy liegen. Das ist kein Weltuntergang – aber es verändert, wie Kinder die Welt erfahren. Schon Kleinkinder wischen über Bildschirme, lange bevor sie ihren Namen schreiben können.
Aber um ehrlich zu sein, wenn ich mal in Ruhe richtig kochen will, wenn ich noch schnell was für die Arbeit erledigen möchte, oder wenn wir länger warten müssen und die Zeit sich wie Kaugummi dehnt , ist der Griff zum Handy oder Tablet manchmal verlockend.
Der „digitale Schnuller“ – ein schneller Weg zu ein paar Minuten Ruhe.
Und ja – er funktioniert. Wie ein Zauber. Die Kinder grinsen und verstummen danach, die Welt wird still.
Aber dann schau ich manchmal einen Moment auf meine Kinder, und fühle mich… komisch. Denn das ist keine Stille mit Frieden – das ist Stille mit Bildschirmglühen.
Manchmal denke ich, wenn ich ihnen zu oft den digitalen Schnuller gebe statt meine Hand die ihre hält oder mein Gesicht das auf sie reagiert, nehme ich ihnen diese kleinen, unbequemen, aber so wichtigen Momente: Langeweile aushalten. Frustration spüren. Selbst auf Ideen kommen.
Medienkompetenz – die beginnt nicht irgendwann bei Instagram oder TikTok. Die beginnt jetzt. Beim ersten Wisch über den Bildschirm.
Aloha im digitalen Alltag
Aloha ist für mich nicht nur dieses Wort, das man in Hawaii zur Begrüßung sagt. Für mich ist es eine Lebenshaltung – wie ein tiefer Atemzug, bevor die nächste Welle kommt.
Es bedeutet:
Gelassenheit bewahren, wenn es stürmisch wird.
Mit Liebe begegnen, auch wenn’s schwierig ist.
Bewusst sein, auch wenn’s schnell gehen muss.
Diese Haltung versuche ich auch in unserem digitalen Alltag zu tragen. Wie einen unsichtbaren Surfboard-Wachs, der alles ein bisschen geschmeidiger macht.
Ich will nicht alles kontrollieren. (Kann ich eh nicht.) Ich will nicht alles verbieten. (Würde sowieso nicht funktionieren.) Ich will… begleiten.
Wenn mein Sohn mit leuchtenden Augen zu mir kommt und ruft: „Mama, guck mal, das Video ist SO cool!“ – dann setze ich mich hin und schaue mit. Ich frage: „Was findest du daran so spannend?“ Dann staune ich mit und ich lerne mit – manchmal über Minecraft-Mechaniken, die ich nie verstehen werde, manchmal über das, was ihn gerade bewegt.
Wenn meine Tochter mit einer App digitale Torten-Kunstwerke zaubert, hält sie mir stolz das Tablet hin: „Guck mal, was ich gemacht hab!“ Dann schaue ich genau hin und frage: „Wie bist du auf die Idee gekommen?“ Dann erzählt sie mir von ihrer kleinen digitalen Welt, während ich staune, wie kreativ sie ist.
So entsteht Verbindung. Und genau das ist für mich der Kern von Medienkompetenz: gemeinsam durchs digitale Meer paddeln. Nicht allein. Nicht im Strudel. Sondern Seite an Seite, auf demselben Board.
Zwischen Faszination und dunklen Strömungen
Die digitale Welt – sie ist faszinierend, keine Frage. Manchmal fühle ich mich fast wie ein Kind, das zum ersten Mal das Meer sieht und nicht weiß, wo es zuerst hinschauen soll:
All die Möglichkeiten! All die Farben!
Aber unter der glitzernden Oberfläche gibt es auch Strömungen, die gefährlich sind.
Künstliche Intelligenz zum Beispiel. Sie verändert gerade alles – wie Inhalte entstehen, was wir für echt halten, was nicht. Deepfakes – also Videos, in denen Menschen Dinge sagen oder tun, die nie passiert sind – zeigen mir jeden Tag: Wir können nicht mehr einfach glauben, was wir sehen.
Neulich hab ich meinem Sohn ein Video gezeigt, in dem sein sportlicher Idol etwas Verrücktes sagte. Dann fragte ich ihn:”Meinst das hat er wirklich gesagt?” Er ohne nachzudenken:” Ja!”
„Leider nein“, sagte ich. „Das ist gemacht von einem Computer.“
Seine Augen wurden groß. „Woher weißt du das?“
Und genau diese Frage – die will ich in ihnen wach halten. „Stimmt das wirklich? Woher wissen wir das? Warum sieht das so echt aus?“
Das ist keine Paranoia. Das ist Medienkompetenz: zu erkennen, dass ein Bild nicht immer Wahrheit ist. Dass Technologie großartig sein kann – wenn wir sie bewusst nutzen. Und dass wir niemals aufhören dürfen, Fragen zu stellen.
Und dann… dann gibt es da noch die Schattenseiten, über die ich nicht schweigen kann. Cybermobbing. Ausgrenzung. Bloßstellung. Screenshots, die sich verbreiten wie Lauffeuer. Beleidigungen, die nicht verschwinden, nur weil man die App schließt.
Das Internet schläft nicht. Und manchmal ist es grausam: Kindern, die ausgegrenzt wurden. Jugendliche, die sich nicht mehr in die Schule trauen und Eltern, die hilflos daneben stehen.
Meine Kinder sind noch klein. Aber ich weiß: Dieser Tag wird kommen. Vielleicht werden sie selbst betroffen sein. Vielleicht werden sie mitbekommen, wie es anderen passiert. Deshalb ist das wichtig und früh genug den Kindern zu sagen, und zwar immer wieder:
„Wenn dir online etwas weh tut – komm zu mir. Immer. Ich werde nicht schimpfen oder urteilen. Ich bin da. Du bist nicht allein.“
Manchmal braucht es nur diesen einen Satz. Diese eine ausgestreckte Hand. Dieses eine Versprechen: Ich halte dich fest, auch im Sturm.
Eine weitere Perspektive: Macht zu viel Bildschirm das Gehirn kaputt?
Die Antwort ist komplexer, als ich lange dachte:
Nein, das Gehirn geht nicht „kaputt“ im klassischen Sinne. Aber – und das hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht –
Es gibt inzwischen MRT-Untersuchungen, die zeigen: Bei kleinen Kindern mit sehr viel Bildschirmzeit sehen bestimmte Hirnbereiche tatsächlich anders aus. Nicht zerstört, aber anders entwickelt.
Das hat mich zuerst erschreckt, dann habe ich tief durchgeatmet: Das ist kein Grund zur Panik, sondern ein Grund zum Verstehen.
Unser Gehirn ist unglaublich formbar – besonders in den ersten Lebensjahren. Es wächst mit dem, was es erlebt. Wie ein junger Baum, der sich nach dem Licht biegt.
Wenn ein Kleinkind viel Zeit vor Bildschirmen verbringt, trainiert das Gehirn eben genau das: schnelle visuelle Reize verarbeiten, auf Belohnungssignale reagieren.
Aber andere wichtige Erfahrungen – echte Gespräche führen (beim Essen erzählen, was sie erlebt haben), Konflikte aushalten lernen (der Geschwisterstreit zum Beispiel – bei uns gerade fast täglich), Langeweile in Kreativität verwandeln, Blickkontakt halten und Mimik deuten (sehen, wenn jemand müde ist oder sich freut) – die fallen dann weg.
Das Gehirn baut dann quasi andere Wege aus. Wie wenn du immer denselben Wanderweg im Wald nimmst und die anderen Wege langsam zuwachsen.
Bei den ganz Kleinen geht es deshalb nicht nur darum, was sie verpassen. Es geht darum, dass ihr Gehirn gerade die wichtigsten Grundlagen baut: für Sprache, für Beziehungen, für Impulskontrolle, für echte und tiefe Verbindung mit anderen Menschen.
Deshalb brauchen wir Balance. Nicht Verbote. Nicht Panik.
Balance.
Mein Aloha-Herzensgedanke zum Schluss
Ich schreibe über Medienkompetenz, weil es mir hilft, bewusster zu leben und die richtigen Fragen zu stellen.
Ich schreibe, weil ich weiß, dass da draußen so viele Eltern sind, die sich nachts fragen: „Mach ich das richtig?“ Die sich manchmal schuldig fühlen, wenn sie das Tablet als Babysitter nutzen. Die Angst haben vor dem, was noch kommt.
Dieser Blog soll ein Ort sein, wo wir uns mal hinsetzen können und sagen: „Puh, okay, wie machen das eigentlich die anderen?“ Wo wir gemeinsam überlegen, lachen über unsere Fails und uns gegenseitig auf die Schulter klopfen.
Und falls du gerade denkst, dass du im digitalen Alltag versagst: Tu ich auch manchmal. Gestern erst hab ich meiner Tochter das Tablet in die Hand gedrückt, weil ich einfach nicht mehr konnte. Passiert.
Wir alle lernen noch. Jeden Tag. Jede Welle ist anders.
Perfektion ist nicht das Ziel. Liebe schon.
Aloha und Mahalo fürs Dabeisein. 🌺

